Kann man Grünkohl noch im August pflanzen?
Ja — August ist sogar ein ausgezeichneter Pflanztermin für Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica), solange Jungpflanzen verwendet werden. Wer im Juli Samen in Anzuchtschalen gesät hat, kann die vorgezogenen Pflanzen nun ins Freiland setzen. Wer beim Anbau im August noch keimfähige Jungpflanzen kauft, startet ebenfalls rechtzeitig.
Wichtig ist die Unterscheidung: Eine Direktsaat im August ist in den meisten Regionen Deutschlands knapp kalkuliert. Die Pflanze bräuchte von der Keimung bis zur Ernte nach dem ersten Frost rund 16 bis 20 Wochen — das reicht bei Aussaat Anfang August gerade noch, bei später Augustsaat wird es riskant. Vorgezogene Jungpflanzen haben diesen Zeitpuffer bereits verbraucht und können sofort wachsen.
Grünkohl ist ein klassisches Wintergemüse: Der Pflanztermin August ist in Deutschland gut etabliert und wird etwa vom NDR-Gartenratgeber als sinnvolles Zeitfenster für die Jungpflanzensetzung beschrieben. Wer bis Ende August pflanzt, darf auf eine Ernte ab November rechnen.
Der entscheidende Abstand: 40 × 80 cm als Richtwert
Der Pflanzabstand von 40 cm in der Reihe und 80 cm zwischen den Reihen ist kein willkürlicher Wert — er ergibt sich aus dem Wuchsverhalten der Kohlpflanze. Grünkohl kann eine Höhe von 60 bis 120 cm erreichen und breitet sich seitlich stark aus. Mit dem Richtwert 40 × 80 cm bekommt jede Pflanze genug Raum, Licht und Nährstoffe.
Warum zu enger Abstand schwache Stiele erzeugt
Stehen Grünkohlpflanzen zu dicht, konkurrieren sie um dasselbe Nährstoff- und Lichtangebot. Das Ergebnis ist in der Praxis gut beobachtbar: Die Pflanzen investieren Energie ins Längenwachstum des Stiels, um Licht zu erreichen — die Blätter bleiben dabei dünn, klein und wenig aromatisch. Fachleute nennen diesen Effekt „Vergeilung“.
Ein weiteres Problem ist die eingeschränkte Luftzirkulation. Eng stehende Kohlpflanzen schaffen ein feucht-warmes Mikroklima, das Pilzkrankheiten wie Kohlhernie begünstigt. Mit ausreichend Abstand trocknen Blätter nach Regen schneller ab, die Pflanze bleibt gesünder und bildet das kräftige Blattwerk aus, das Grünkohl ausmacht.
Reihenabstand vs. Pflanzabstand: Was bedeuten die Zahlen?
Die Schreibweise „40 × 80 cm“ folgt einer einfachen Konvention: Die erste Zahl ist der Pflanzabstand innerhalb einer Reihe (von Pflanze zu Pflanze), die zweite Zahl ist der Reihenabstand (von Reihenmitte zu Reihenmitte). Beim Anlegen des Beetes also zuerst die Reihen mit 80 cm Abstand markieren, dann in jeder Reihe die Pflanzlöcher im 40-cm-Takt setzen.
Wer das Beet im Versatz anlegt — also jede zweite Reihe um 20 cm versetzt — nutzt die Fläche etwas effizienter, ohne den Grundabstand zu unterschreiten.
Standort und Boden vorbereiten
Grünkohl ist anspruchslos, was die Temperaturen betrifft, aber nicht, was Licht und Nährstoffe angeht. Ein gut vorbereitetes Beet zahlt sich direkt in der Blattqualität aus.
Sonnenlage und Windschutz
Wähle einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Mindestens vier bis fünf Stunden direkte Sonne pro Tag fördern kompaktes Blattwachstum. Da Grünkohl eine Herbst- und Winterkultur ist, spielt auch der Windschutz eine Rolle: Starkwind im Oktober und November trocknet die Blätter aus und kann hohe Pflanzen umknicken. Eine Hecke, ein Zaun oder eine Reihe höherer Pflanzen als Windbrecher im Norden oder Osten helfen.
Nährstoffreichen Boden schaffen: Kompost und Dünger
Grünkohl ist ein Starkzehrer mit hohem Stickstoffbedarf. Arbeite vor der Pflanzung zwei bis drei Liter reifen Kompost pro Quadratmeter ein. Der pH-Wert des Bodens sollte zwischen 6,5 und 7,5 liegen — leicht saure oder neutrale Böden sind ideal. Zu saure Böden (pH unter 6) begünstigen Kohlhernie; bei Bedarf mit Gartenkalk aufkalken.
Wer keinen eigenen Kompost hat, kann alternativ einen organischen Stickstoffdünger (z. B. Hornspäne) einarbeiten. Wichtig: Kein frischer Stallmist direkt vor der Pflanzung — er verbrennt die Wurzeln und verursacht ungleichmäßiges Wachstum.
Schritt für Schritt: Grünkohl im August ins Beet setzen
Der eigentliche Pflanzvorgang dauert kaum eine Stunde, entscheidet aber über den weiteren Verlauf der Saison.
Jungpflanzen vorziehen oder Direktsaat?
Für den August gilt die klare Empfehlung: Jungpflanzen verwenden. Wer im Juli in Anzuchtschalen oder Multitopfplatten gesät und pikiert hat, setzt jetzt robuste Pflänzchen mit vier bis sechs echten Blättern ins Beet. Wer selbst nicht angezogen hat, findet im August in Gärtnereien und Baumärkten häufig noch Jungpflanzen im Angebot.
Eine Direktsaat ist ab Mitte August nur noch bei frühen, frosttoleranten Sorten und in milden Lagen (z. B. Rheintal, Bodenseeregion) vertretbar. In Norddeutschland, wo Grünkohl traditionell besonders beliebt ist, sollte spätestens Ende Juli ausgesät oder auf Jungpflanzen zurückgegriffen werden.
Pflanztiefe: bis zu den Keimblättern einsetzen
Setze die Jungpflanze tiefer, als sie im Anzuchttopf stand: bis zu den Keimblättern in die Erde. Das klingt zunächst ungewöhnlich, hat aber einen praktischen Vorteil — der begrabene Stengelabschnitt bildet zusätzliche Adventivwurzeln und verankert die Pflanze stabiler im Boden. Gerade im August, wenn Stürme und plötzliche Regengüsse auftreten können, schützt das vor dem Umkippen.
Angießen und Einwurzeln in der Augusthitze
August ist oft der wärmste Monat des Jahres in Deutschland. Frisch gesetzte Grünkohlpflanzen reagieren auf Trockenstress mit hängendem Laub und verlangsamen das Einwurzeln erheblich. Gieße die Pflanzen direkt nach dem Setzen kräftig an — mindestens ein halber Liter pro Pflanze. In den ersten ein bis zwei Wochen gilt: täglich gießen, am besten morgens oder abends, nicht mittags.
Eine dünne Schicht Mulch (z. B. Grasschnitt, Stroh) um die Pflanzen hält die Bodenfeuchtigkeit länger und senkt die Bodentemperatur an heißen Tagen.
Pflege nach der Pflanzung: Düngen, Hacken, Schädlinge
Ist Grünkohl einmal angewachsen, hält er sich robust. Dennoch gibt es einige Pflegeschritte, die den Unterschied zwischen einer mittelmäßigen und einer guten Ernte ausmachen.
Hacke das Beet alle zwei Wochen flach auf. Das lockert den Boden, verbessert die Wasseraufnahme und unterdrückt Unkraut, das dem Grünkohl Stickstoff wegnehmen würde. Dünge vier bis sechs Wochen nach der Pflanzung erneut mit einem organischen Stickstoffdünger (Hornspäne oder Brennnesseljauche).
Die häufigsten Schädlinge im Überblick:
- Kohlweißling: Die Raupen fressen großflächig an den Blättern. Larven und Eier absammeln oder ein feinmaschiges Schutznetz (Insektenschutznetz) verwenden.
- Erdfloh: Kleine Löcher in den Keimblättern — typisch bei trocken-warmem August-Wetter. Regelmäßiges Gießen und Mulchen senkt den Druck; Gelbsticker können helfen, den Befall zu erkennen.
- Kohlmotte und Blattläuse: Befallene Triebe entfernen, Nützlinge wie Marienkäfer fördern.
Gute Nachbarn und schlechte Nachbarn im Beet
Mischkultur lohnt sich beim Grünkohl. Gute Nachbarn sind Sellerie, Tomaten (die Kohlweißlinge abhalten sollen), Dill und Kamille. Schlechte Nachbarn sind andere Kohlarten — sie ziehen dieselben Schädlinge an und erhöhen das Kohlhernie-Risiko. Zwiebeln und Knoblauch gelten ebenfalls als ungünstige Beetnachbarn für Kohl.
Häufige Fehler beim Grünkohl-Anbau vermeiden
- Zu enger Stand: Wie oben erklärt — der häufigste Grund für schwaches Blattwachstum.
- Kein Netz gegen Kohlweißling: Wer im August pflanzt, versäumt genau den Höhepunkt der Falterflugzeit.
- Staunässe: Grünkohl verträgt keine dauerhaft nassen Wurzeln. Beet bei schwerem Lehmboden mit Sand oder Kompost auflockern.
- Zu frühe Ernte vor dem ersten Frost: Grünkohl vor dem Frost schmeckt deutlich herber und weniger süß — dazu gleich mehr.
Ernte und Lagerung: Wann und wie die Blätter pflücken
Grünkohl ist erntereif, wenn die äußeren Blätter eine gute Größe erreicht haben — das ist je nach Sorte ab November der Fall. Wartet nach Möglichkeit auf den ersten Frost: Kälte wandelt Stärke in Zucker um und mildert die Bitterstoffe (Glucosinolate). Wissenschaftliche Untersuchungen, u. a. vom Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), bestätigen, dass Frost die sensorische Qualität des Grünkohls verbessert.
Ernte immer von unten nach oben: Die äußeren, unteren Blätter abnehmen, den Herzbereich stehen lassen. So wächst die Pflanze weiter und liefert über Wochen hinweg frische Blätter. Ein Schnitt mit dem Messer oder einfaches Abbrechen per Hand funktionieren gleichermaßen.
Zur Lagerung: Frisch geernteter Grünkohl hält sich im Kühlschrank einige Tage. Für längere Aufbewahrung kurz blanchieren (zwei bis drei Minuten in kochendem Wasser), abschrecken und einfrieren — so bleibt er mehrere Monate haltbar.
Grünkohl im September pflanzen: Ist es noch möglich?
Eine späte Pflanzung im September ist grundsätzlich möglich, aber mit Risiken verbunden. Wer Anfang September noch kräftige Jungpflanzen setzt, kann in milden Lagen auf eine bescheidene Ernte im Dezember oder Januar hoffen. Die Entwicklungszeit bis zur Ernte ist dann sehr knapp bemessen.
Ab Mitte September sinkt die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich: Die Tage werden kürzer, die Temperaturen fallen, das Wachstum verlangsamt sich stark. Es ist dann wahrscheinlicher, dass die Pflanze zwar überlebt, aber keine erntewürdigen Blätter ausbildet. Eine Direktsaat im September ist in Deutschland nicht mehr zu empfehlen.
Fazit: August bleibt der sicherste Pflanztermin. September ist ein Grenzfall — wer es versucht, sollte frostresistente Sorten wählen und auf günstige Witterung hoffen.
Häufig gestellte Fragen zum Grünkohl im August
Kann man Grünkohl auch im Topf oder Hochbeet anbauen?
Ja, beides funktioniert. Im Hochbeet profitiert Grünkohl von der lockeren, nährstoffreichen Erde und der besseren Drainage. Der Abstand bleibt derselbe: mindestens 40 cm zwischen den Pflanzen. Hochbeete erwärmen sich im Frühjahr schneller, was beim Grünkohl im Herbst weniger relevant ist.
Im Grünkohl im Topf oder Kübel ist der Anbau ebenfalls möglich — dann aber bitte einen Kübel mit mindestens 30 Liter Volumen wählen, damit die Wurzeln genug Raum haben. Kompakte Sorten wie „Halbhoher grüner Krauser“ eignen sich für Kübel besser als großwüchsige Sorten. Im Topf regelmäßiger gießen und düngen als im Freiland.
Wie erkenne ich gesunde Jungpflanzen beim Kauf?
Achte beim Grünkohl-Jungpflanzen kaufen auf folgende Merkmale:
- Kompakter, gedrungener Wuchs — keine langen, dünnen Stiele (Anzeichen von Lichtmangel in der Anzucht)
- Dunkelgrüne, unbeschädigte Blätter ohne Fraßspuren oder gelbe Flecken
- Gut durchwurzelter Erdball, der beim Herausdrücken aus dem Topf zusammenhält
- Kein Geruch nach Fäulnis oder Schimmel am Erdball
Vermeide Pflanzen, die bereits blühen oder einen holzigen Stiel gebildet haben — solche Exemplare sind zu alt für eine erfolgreiche Verpflanzung im August.



